Archiv des Autors: Frauke Mellies
Tongariro Crossing
Nun ja, wie fange ich am besten an… unser Wecker klingelte um 5.30 h und wir hatten gefühlte null Grad draußen. Dennoch sind wir aufgestanden, haben uns angezogen, unsere am Vorabend gepackten Rucksäcke geschnappt und sind zur Lodge gegangen, wo uns dann um 6.45 h der Bus abgeholt und uns zum Startpunkt der Wanderung bzw. des Crossings abgeholt hat. Hier sehen wir doch noch echt entspannt aus, oder?


Unsere Wanderung begann und wir liefen dem Sonnenaufgang entgegen. Bis hier war für mich auch noch alles gut… dann kam dieses Schild, was Mike fotografiert hat und welches ich nicht wirklich aufmerksam gelesen habe. Sonst hätte ich vielleicht doch den Unterschied zwischen der „Wanderung“ und dem „Crossing“ verstanden und hätte überlegt, ob ich das wirklich schaffe… Mike war der Unterschied klar und ich hab das wohl ignorieren wollen. Schließlich stand in allen Reiseführern, dass es sich um eine mittelschwere Wanderstrecke handelt… 😳 als wir zum Steckenabschnitt „devils staircase“ kamen, wurde mir relativ schnell klar, dass ich meine Fitness in Bezug auf dieses Crossing stark überschätzte… wir stiegen gefühlte tausend Stufen (laut Mike’s während der Wanderung runtergeladenem App sollen es „nur“ 312 Stufen sein) hinauf und nach jeder „Treppe“ (Holzbretter mit Sand oder Steinen aufgefüllt) hab ich gedacht, nun ja, wir sind bestimmt bald oben angekommen. Doch es ging immer weiter den Berg hinauf und die Kraft in meinen Beinen schwand zusehends… dann, für mich als absolute Krönung, kam eine Steigung, wo man sich an einer Stahlkette hochziehen und dann an Stahlseilen festhalten musste, da nicht so fürchterlich viel Platz für die Füße vorhanden war. Ich hatte im Kletterpark schon Schiss vor der Höhe. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie ich mich fühlte? Ich hatte die „Hosen voll“ und wollte eigentlich nicht weiter. Mike hat den Weg im Gegensatz zu mir gut durchgestanden. Das Problem ist jedoch, dass man nicht einfach aufhören kann, dann geht man den (echt steilen) Weg wieder zurück oder man reißt sich irgendwie zusammen und geht weiter. Das haben wir dann auch gemacht und glaubt mir, meine Beine haben sich wie Pudding angefühlt. Hier mal ein paar Foros zwischendurch, um von meinem Gejammer abzulenken 😉😉😉


Wir durchwanderten dann einen Vulkankrater (dieser hatte unglaubliche Ähnlichkeit mit Tattoine – diejenigen, die Star Wars kennen, wissen, was ich meine), anbei mal ein Foto

und ich dachte, hey, so schwer war das doch gar nicht… jetzt kommen gleich die tollen Vulkanseen und dann fängt der Abstieg an… dann kamen wir an folgenden Wegweiser

Oh mein Gott, wir hatten noch 13 km vor uns 😳😳😳
Also wanderten wir weiter und stiegen und kletterten und siehe da, irgendwann hatten wir den höchsten Punkt erreicht und dann sahen wir das




und da begann unser Abstieg von den Vulkanen. Ich dachte mir, jetzt wird es entspannter. Bergab kann ja nicht so anstrengend sein. Und? Was denkt Ihr? Der Abstieg war echt kräftezehrend und wir hatten einen Abschnitt von ca. 400 Metern zu meistern. Der Boden dort bestand nur aus losem Sand und Geröll und es war echt steil. Dort sind einige der Wanderer ausgerutscht und hingefallen. Jeder, der mal einen Sandberg runtergegangen ist weiß, wie sich das anfühlt. Als wir auch diese Hürde gemeistert hatten, wurde der Abstieg leichter und unsere Laune zusehends besser. Wir erreichten irgendwann den Ketetahi Hut, eine Raststelle mit Plumpsklos. Ich hab mir das während des gesamten Crossings verkniffen. Mike hat die Chance genutzt und muss jetzt in Therapie… der Container unter den Toiletten war fast voll 😳😳😳 und ich hab Mike noch nie so schnell aus einem Toilettenhäuschen flüchten sehen und hinter ihm her jagten riesige ernsthaft riesige große hässliche Fliegen…
Die Vegetation wurde flacher, der Abstieg auch und dann kamen wir in den Busch… es sah ein wenig aus wie Dschungel, durch die vielen Bäume und Sträucher war es schattig und kühl und als wir schon nicht mehr wirklich daran glaubten, bogen wir um eine Ecke und standen an dem Endpunkt der Wanderung, auf dem Parkplatz, wo wir dann um 15.30 h von unserem Shuttlebus abgeholt und zum Campervan gefahren wurden. Dort angekommen, haben wir geduscht, gegessen und sind gegen 8 Uhr abends todmüde in unsere Alkove geklettert, um zu schlafen.
Wir melden uns zurück
Nun ja, das Vodafone-Netz ist hier teils so dünn, dass man keine Verbindung zur Außenwelt hat…
Unser nächstes Abenteuer
Morgen früh gegen 6.35 Uhr startet der Bus, der uns zum Weltkulturerbe Tongarironationalpark bringt. Dort werden wir den Tongariro Alpine Crossing, eine kleine Wandertour von ca. 19,4 km zu Vulkanen, Kraterseen und mit atemberaubenden Ausblicken machen. Fotos, Eindrücke und unsere Erlebnisse gibt es dann morgen (sofern das Vodafone-Netz mitspielt). Sonst spätestens dann, wenn ich Fotos hochladen kann.
Unglaublich freundliche Neuseeländer
trifft man hier. Wir sind an eine Abwasserstation gefahren und vor uns stand schon ein Wohnmobil. Der Fahrer kam zu uns und sagte, er würde für uns gern ein Stück vorfahren und dann könne er uns – falls es uns nicht stört – zusehen, wie wir Abwasser ablassen und Frischwasser auffüllen. Mike hat den beiden dann alles erklärt, die beiden haben sich für sechs Wochen ein Wohnmobil geliehen und haben nun den ersten Stop an einer Abwasserstation. Wir haben uns gegenseitig viel Spaß gewünscht und fuhren weiter.
Der nächste Neuseeländer hat uns mehr oder weniger gerettet. Wir hatten uns für die Übernachtung zwei oder drei Spots ausgesucht auf dem Weg an der Küste in Richtung Hicks Bay… die Spots waren allesamt nicht unser Ding und so fuhren wir an dem Tag sechs Stunden an einem Stück. Irgendwann wollten wir dann tanken und die erste und auch fast einzige Tankstelle war eine Selbstbedienungs-Tankstelle, die unsere Kreditkarte nicht akzeptiert hat (keine Angst, es ist genug Deckung auf den Konten). 😉 Also fuhren wir unverrichteter Dinge weiter und steuerten die letzte Tankstelle an, die in dieser Gegend zu finden war. Und, was soll ich sagen??? Hey, wieder eine Selbstbedienungs-Tankstelle… auch hier wurde unsere Kreditkarte abgewiesen. Vor uns hatte gerade ein netter Mann getankt, den ich einfach ansprach und fragte, ob es möglich sei, dass er mit seiner Kreditkarte für uns tankt und wir ihm Bargeld geben. Das hat er ohne auch nur zu zögern getan und wir hatten endlich genug Benzin im Tank, um uns einen netten Übernachtungsort zu suchen. 😊😊😊
Sonnenuntergang im Zeitraffer






